Brückenwunder

Brücken sind bemerkenswert. Sie gehören zu den größten Bauten, die der Mensch geschaffen hat. Sie sind Landmarken und Markenzeichen für Städte, in ihren Baustilen sind sie Ikonen ihrer Zeit und sie verbinden Ästhetik und Technik auf so klare Weise wie keine anderen Bauwerke. Mit "Bridges – The science and art of the world's most inspiring structures" ist nun ein lesenswertes Buch zum Thema erschienen.

Für die Ästhetik von Brücken sind dabei nur zum Teil die Architekten verantwortlich. Die Statik, die Physik, das komplexe Zusammenspiel von Holz, Steinen, Beton und Stahl – das sind die eigentlichen Ursachen für die als natürlich empfundene Schönheit und Eleganz, die Brücken ausstrahlen. Und Brücken überwinden Grenzen: geographische und kulturelle. Sie stehen für Fortschritt, Freiheit und Weltoffenheit, sie verbinden Menschen und eröffnen ihnen neue Wege.

Dieser einzigartigen Verbindung von Wissenschaft, (Bau-)Kunst und Kultur widmet sich der Brite David Blockley, ehemaliger Professor für Bauingenieurswesen an der Universität Cambridge, in seinem lehrreichen Buch „Bridges – The science and art of the world's most inspiring structures“*. Ich bin auf das Buch während meiner Recherchen zum Thema „Neue Werkstoffe für alte Brücken“ gestoßen (Artikel nachzulesen u.a. hier in „Der Tagesspiegel“ und „bild der wissenschaft“ ).  

Von den stabilen wie formschönen Steinbrücken der Römer, über Michelangelos Stege für die Ausmaler der Sixtinischen Kapelle bis hin zur wabbeligen Millenium Bridge in London – Blockley verknüpft Anekdoten aus der Geschichte des Brückenbaus, um die Konstruktionsweisen, die Eigenschaften der Werkstoffe und die physikalischen Grundlagen zu erklären. Dabei gewinnt der Leser die Erkenntnis, dass moderne Hightech-Brücken wie die Akashi-Kaikyo-Brücke im japanischen Kobe das Ergebnis eines Jahrtausende währenden Lernprozesses sind, in dem das Zusammenwirken von Trossen, Balken, Pfeilern auf der einen und Wind, Regen, Schnee, Untergrund und Verkehr auf der anderen Seite vom Menschen jedesmal neu ausbalanciert werden muss.

Dass dies nicht immer gelingt – auch das zeigt dieses Buch. Spektakuläre Brückenkollapse wie der Zusammenbruch der Brücke über den Interstate 35 in Minneapolis im Jahr 2007 oder die Ursache für das Aufschaukeln von David Fosters' Millenium Bridge werden unter die Lupe genommen und anschaulich erklärt.

An manchen Stellen ähnelt das Buch etwas zu sehr einem Hochbau-Seminar, dafür hätten die Darstellungen zur Baugeschichte und die Ausführungen zu einzelnen Bauwerken gerne ausführlicher ausfallen dürfen. Doch die Lektüre lohnt sich: Wer dieses Buch gelesen hat und dann über eine Brücke geht oder unter ihr durch, wird diese besonderen Bauwerke nicht nur bewundern, sondern auch verstehen können.

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*Bridges - The science and art of the world's most inspiring structures

Oxford University Press 2012
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0199645728
ISBN-13: 978-0199645725

Taschenbuch: 13,99 Euro

 

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