Der neue Kalte (Cyber-)Krieg

Der Kalte Krieg ist seit dem Fall der Berliner Mauer Geschichte. Atomwaffen gibt es immer noch, aber das Wettrüsten zwischen den Weltmächten hat weitestgehend ein Ende gefunden. Oder doch nicht?

Vor einiger Zeit bin ich über die BBC-Headline „China and US to co-operate to avoid cyber Cold War“ gestolpert. Die Nachricht – nicht mehr als eine Randnotiz – summiert für mich die vielen größeren und kleineren Meldungen zum Thema Cyberkrieg auf, die ich bis dato eher beiläufig und nicht als Zeichen akuter Bedrohung wahrgenommen habe. Aber scheinbar ist die Gefahr eines Cyberkrieges so akut und sind die Folgen derart schreckenerregend, dass sich die (IT-)Weltmächte nun gezwungen sehen, dem Wettrüsten mit offiziellen Abkommen einen Riegel vorzuschieben. Ist da schon ein neuer, ein zweiter Kalter Krieg im Gange?

Nun, spätestens seit dem mutmaßlich von George Bush und Barack Obama initiierten Virus Stuxnet ist es öffentlich, dass Staaten andere Staaten mit Cyberattacken zu schädigen versuchen. Aber die tatsächliche Bedrohung für den Weltfrieden wird wohl in der Öffentlichkeit unterschätzt. Wenn zwei ideologisch so fremde Länder wie die USA und China die Notwendigkeit sehen, quasi einen Nicht-Angriffspakt zu treffen, muss die Bedrohung und die Furcht vor den Folgen eines Cyberkrieges sehr real sein. Das macht die BBC-Meldung klar; die zentrale Aussage des US-Außenministers Leon Panetta:

„Because the United States and China have developed the technological capabilities in this arena, it's extremely important that we work together to develop ways to avoid any miscalculation or misperception that could lead to a crisis in this area.“

Und Hamadoun Toure, Generalsekretär der Telekommunikations-Behörde der UN, der International Telecommunications Union (ITU), appelliert in einem anderen BBC-Bericht an die UN- Mitgliedsstaaten, eng zu kooperieren, um einen globalen Cyberkrieg zu verhindern.

„There is a risk of cyberwar - but it's not necessary. That's what we're trying to do: prevent. We're saying the best way to win a war is to avoid it in the first place.“

Auf eine mögliche Krise in Folge Cyberangriffen bereiten sich die Staaten weltweit vor – auch Deutschland. Wie u.a. die Financial Times Deutschland berichtet, hat das Verteidigungsministerium dem Bundestag melden können, die Bundeswehr habe die „Anfangsbefähigung“ erreicht, um „gegnerische Netze“ zu attackieren. Wer die Augen aufhält, stößt ständig auf vergleichbare Meldungen. Während Israel und die USA den Cyberspace für Schattenkriege nutzen, rüstet sich Japan mit Computerviren gegen Angriffe auf die Wirtschaft und Infrastruktur. Und: Sich mit Cyberwaffen auszurüsten ist vergleichsweise billiger und einfacher als eine Atombombe zu entwickeln. Auch deshalb wirft die UN ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklungs- und Schwellenländer.

All dies ist besorgniserregend. Auch weil es sich beim Cyberkrieg um eine wenig offensichtliche Bedrohung handelt. Das Wettrüsten findet weitestgehend unter der Wahrnehmungsschwelle der Medien und damit der Öffentlichkeit statt. Die Bilder und die Folgen konventioneller Gewalt sehen wir täglich in den Nachrichten. Geschosse und Bomben töten direkt und offensichtlich. Als die USA Pershing-II-Raketen mit Nuklearsprengköpfen in Deutschland stationierten, gingen Anfang der 1980er-Jahre Hunderttausende auf die Straße. Noch ist es schwer vorstellbar, dass es eine derart konzertierte Friedensbewegung http://de.wikipedia.org/wiki/Friedensbewegung etwa im Rahmen der Ostermärsche gegen die Aktionen der Cyberkriegsherren gibt.

Notwendig wäre es, sind doch die Folgen eines massiven Cyberkriegs mit denen eines mit konventionellen Waffen ausgetragenen Konflikts durchaus vergleichbar. Zwar töten Viren und Trojaner nicht unmittelbar. Doch braucht es nicht viel Vorstellungskraft, um sich auszumalen, welche Folgen etwa ein erfolgreicher und weitreichender Cyberangriff auf das Stromnetz/die Trinkwasserversorgung/die IT-Netze eines industrialisierten Landes haben würde. Ist die Störung nicht innerhalb weniger Tage behoben, bricht die Wirtschaft und die gesellschaftliche Normalität ein, die erforderlichen Notstandsmaßnahmen könnten rasch zu Unruhen und Toten führen.  

Der neue Kalte (Daten-)Krieg ist Realität und hier und dort wird der Konflikt bereits heiß. Es ist wohl wieder soweit: Ein Druck auf den roten Knopf – Entschuldigung – die Entertaste, und die Welt stürzt ins Chaos.

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