Freiheit führt zu Unzufriedenheit

Der Psychologe Bas Kast plädiert für feste Bindungen wie Familie und Partnerschaften. Sie würden die persönlichen Entscheidungsoptionen einschränken – und damit die Zufriedenheit steigern.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „bild der wissenschaft“ ist ein Interview mit dem Psychologen und Buchautor Bas Kast zu lesen. Er erzählt darüber, dass mehr Freiheit nicht unbedingt glücklicher macht – wegen der Qual der Wahl. Sein Beispiel: In einer Eisdiele mit drei verschiedenen Eissorten wählt man zwei, isst sie, ist glücklich. In einer Eisdiele mit 200 verschiedenen Eissorten kann man 198 nicht essen – und erntet damit das Gefühl, etwas verpasst zu haben.

Ich musste lachen, als ich das las. Weil ich ziemlich genau diese Situation einmal erlebt habe.

Ich war mit Freunden in Frankreich im Urlaub. Eine von ihnen wollte ein Eis, ging in die Eisdiele, kam ohne Eis wieder heraus. „Ich konnte mich nicht entscheiden. Und wenn ich mich entschieden hätte, hätte ich danach immer das Gefühl gehabt, dass die anderen Eissorten vielleicht doch die besseren gewesen wären. Also habe ich lieber keins genommen.“

Ist das nicht verrückt? Eine größere Auswahl führt dazu, dass man lieber gar nichts kauft. Oder nach dem Kauf, um bei diesem Beispiel zu bleiben, mit der Entscheidung unglücklich ist. (Man spricht auch von "Kaufreue".)

Ich kenne dieses Problem auch, in erster Linie bei technischen Geräten, die mit verschiedenen Eigenschaften ausgestattet sind. Welche Eigeschaften ich brauche, kann ich noch relativ leicht entscheiden. Welche Kombination verschiedener Eigenschaften (und meistens gibt es kein Gerät, dass alle gewollten Eigenschaft perfekt vereint) die passendste für mich ist – da tue ich mich schwer.

Um diesem Dilemma wenigstens ein wenig zu entkommen, habe ich für mich beschlossen, jede Entscheidung, die ich treffe, per se erstmal gut zu finden. Das führt mitunter dazu, dass Entscheidungsprozesse bei mir ziemlich lange dauern, weil ich vorher weiß, dass ich die Entscheidung dann gut finden muss, will und werde. Wenn ich mich dann aber entschieden habe, ärgere ich mich nicht über potentiell entgangene andere Möglichkeiten – sondern freue mich über das, was ich getan, gekauft, was auch immer gemacht habe.

Freilich gibt es Entscheidungen, die sich im Nachhinein als falsch erweisen. Das bekommt man in der Regel aber von ganz alleine mit, auch ohne Grübeln und Zweifeln, ob die andere Entscheidung nicht vielleicht doch die bessere gewesen wäre. Das Grübeln fand im besten Fall ja vor der Entscheidung statt.

Der Psychologe Bas Kast plädiert im größeren Sinne übrigens für feste Bindungen. Freunde, Liebespartner, Kinder, Haustiere – diese Bindungen würden die persönliche Freiheit im Sinne der Entscheidungsoptionen einschränken. Und genau das führe zu einer höheren Zufriedenheit. Die Qual der Wahl ist kleiner geworden.

Bei der Auswahl der richtigen Eissorte kann das aber auch nicht helfen.

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