Ohne Auto: Mein ganz persönliches Mobilitätskonzept

Ich werde selten gefragt, ob ich ein Auto hätte und - nachdem ich diese Frage mit “nein” beantwortet habe - warum das denn so sei. Weil es aber doch immer mal wieder vorkommt, beschreibe ich hier einmal mein ganz persönliches Mobilitätskonzept.

Warum ich kein Auto habe? Kurz: Weil es für mich günstiger ist, keins zu haben und mir die neuen Mobilitäts-Möglichkeiten ausreichend Flexibilität und Spielraum geben. (Ein Auto mit aktuellem Wert 8000 Euro würde mich inkl. Abschreibung und allen Fix- und variablen Kosten - ohne Benzin - knapp 200 Euro im Monat kosten. Nur, damit ich eins habe. Gefahren bin ich damit dann noch keinen Meter.)

Hier mein ganz persönliches Mobilitätskonzept (für die Stadt Köln):

Für kurze, innerstädtische Fahrten ohne viel Gepäck nehme ich fast immer das Fahrrad. Deshalb habe ich auch immer einen Rucksack dabei, in dem sich Regensachen, Spanngurt und Licht befinden. Man weiß ja nie. Sollte mein Fahrrad kaputt sein, oder ich brauche ein zweites, kann ich in Köln glücklicherweise den praktischen Fahrrad-Sharing-Service Call-a-Bike nutzen. Bus und Bahn spielen natürlich auch noch eine Rolle, wenn auch eine kleine. Das Taxi nutze ich sehr selten. Ist einfach nicht nötig in Köln, wo die U-Bahnen fast immer fahren.

Verbesserungsvorschläge: Mehr und besser ausgebaute Fahrradwege. Mehr Fahrrad-Sharing-Angebote.

Für kurze, innerstädtische Fahrten mit viel Gepäck bietet sich das Carsharing an - ich habe das Glück, bei mir um die Ecke einen Flinkster-Standort zu haben, bei dem ich bisher immer ein Auto bekommen habe. Für Fahrten innerhalb der Stadt, die nicht länger als ein, zwei Stunden dauern, ist Carsharing optimal. Ich habe noch nie mehr als 12 Euro für ein Mal Fahren bezahlt. Andere Carsharing-Anbieter habe ich noch nicht ausprobiert, was man so hört, funktionieren die aber auch gut.

Verbesserungsvorschläge: Man sollte die Autos (wie die Call-a-Bike-Fahrräder) überall  zurückgeben können. In Ulm kann das im sehr gut angenommenen System Car2Go so gemacht werden.

Für mittel-lange Strecken (10 bis 100 Kilometer) nutze ich am häufigsten Straßenbahn und S-Bahn bzw. Regionalexpress. Die Preise finde ich akzeptabel, auch wenn die Flexibilität wegen fester Haltestellen und Fahrzeiten ziemlich eingeschränkt ist, besonders in den Nebenverkehrszeiten. Ich hoffe sehr auf einen Erfolg von Systemen wie Flinc (spontan vermittelte Mitfahrgelegenheiten), die genau für solche Strecken konzipiert sind. Meines Erachtens nach hat das Auto für diese Art von Strecken die größten Stärken und Car-Sharing und Autovermietung die größten Schwächen. Car-Sharing ist teuer, wenn man viele Kilometer fährt (ich sag mal mehr als 20), Autovermietung dann, wenn man ein Auto für eine relativ kurze Strecke (weniger als 150) einen ganzen Tag mieten muss.

Lange Strecken: Gerne die Bahn (wobei die Preise ohne Bahncard 50 meines Erachtens viel zu hoch sind), Mitfahrgelegenheit (bei größeren Städten finde ich fast immer eine) oder auch Mietwagen. Bahn ist für mich unschlagbar in Sachen Komfort (seit es in den meisten ICs und ICEs Steckdosen gibt und die Sitze so bequem geworden sind), Mitfahrgelegenheit im Preis, Mietwagen in der Flexibilität. Aber auch preislich finde ich Mietwagen fair. Über die Plattform billiger-mietwagen.de habe ich vergangenes Jahr einen nagelneuen VW Passat inkl. Navi für meinen Urlaub gemietet. Alle Kilometer frei, 14 Tage, 460 Euro inkl. Versicherungsschutz für Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich, Niederlande, Belgien, Luxemburg. Durchschnittsverbrauch: Unter fünf Liter Diesel. Mietwagen lohnen sich meines Erachtens aber nur, wenn man viele Kilometer fährt.

In letzter Zeit haben sich auch Plattformen wie Tamyca etabliert - Websites, auf denen Privat-PKW ver- und gemietet werden können. Diesen Service habe ich noch nicht genutzt, das werde ich aber mal ausprobieren. Fördernd für diesen Service sollte eine aktuelle Entwicklung sein, die es ermöglicht, sein Auto ohne Schlüsselübergabe zu vermieten. Sinnvoll ist das Vermieten des Privat-PKW aus denselben Gründen, warum ein kommerzielles Carsharing sinnvoll ist: Die Standzeiten werden verkürzt, in denen ein Auto nicht genutzt wird, aber trotzdem kostet.

Verbesserungsvorschläge: Bahn-Preise für Langstrecken verringern. Sonderzüge einsetzen bei erhöhtem Verkehrsaufkommen. Generell könnte die Bahn mal darüber nachdenken, wie sie von ihrem starren Wir-fahren-nur-nach-Fahrplan-System wegkommt hin zu mehr Flexibilität, die die modernen Kommunikationssysteme so mit sich bringen.

Insgesamt bin ich mit den Mobilitäts-Möglichkeiten in Großstädten wie Köln schon sehr zufrieden. Wie gesagt hoffe ich auf den Erfolg von Systemen wie Flinc, sodass man noch mehr als bisher Mitfahrgelegenheiten anbieten und nutzen kann, auch für kurze und mittel-lange Strecken. Bleibt noch die Frage, wie man all diese Möglichkeiten miteinander verbinden kann, etwa in Sachen Planung und Bezahlung. Wäre es nicht praktisch, wenn man von A nach B fährt, dabei verschiedene Verkehrsmittel nutzt und am Ende auf seinem Smartphone auf einen Knopf drückt “Bezahlen”?

Radio

Der beste Mix

iTunes Radio: Musik mit Preisschild statt Seele.

Während ich dies schreibe, höre ich Radio. Es ist neu, es ist digital, es kommt aus dem Internet. Eines der größten Unternehmen, bekannt für Innovationen, hat es heute gestartet. Es ist das langweiligste Radio der Welt. Denn etwas fehlt.

18. September 2013
Prism

Überwachung führt zu Misstrauen und betrifft jeden

Seit Prism und Tempora müssen wir davon ausgehen, dass alle digitale Kommunikation irgendwie verarbeitet wird. Das wird unsere Gesellschaft verändern und jeden betreffen. Dabei liegen die Gefahren eigentlich gar nicht im Terrorismus.

19. Juli 2013
Gated Communities

Neuland in New York

Neuland, Überwachung und Ground Zero - was die Bewohner von Lower Manhattan mit Netzaktivisten gemeinsam haben.

21. Juni 2013
Überwachung

Warum PRISM mich überrascht

Was ist es, wenn man behauptet, PRISM könne einen nicht überraschen? Abgeklärtheit? Pessimismus? Rechthaberei?

12. Juni 2013
Medizintechnik

“Komm, Papa, wir tanzen.”

Seit einem Unfall vor 19 Jahren ist Nicole Holland auf einen Rollstuhl angewiesen. Sie ist teilquerschnittgelähmt und konnte ihre Beine bisher praktisch nicht nutzen. Sie nimmt am Universitätsklinikum Bochum, das den schönen Namen Bergmannsheil trägt, an einer Studie teil, in der untersucht wird, ob Gehroboter helfen können, die Beinfunktion von Teilquerschnittgelähmten wieder zu aktivieren.

31. März 2013
Technik in Kategorien

Was ist Technik?

Beschreibt man den Begriff "Technik" in neun Kategorien, ergeben sich interessante Zusammenhänge. Technik mal generell erklärt.

27. Juli 2012