Warum PRISM mich überrascht

Was ist es, wenn man behauptet, PRISM könne einen nicht überraschen? Abgeklärtheit? Pessimismus? Rechthaberei?

Natürlich weiß der informierte Informationstechnik-Anwender, dass Geheimdienste Datenströme filtern, hier spähen und dort anzapfen und auch mal den einen oder anderen Hack vornehmen. Und natürlich geht es dabei sowohl um die ganz großen Nummern (siehe Stuxnet), als auch um Einzelpersonen, die vielleicht nur die falschen Länder zum falschen Zeitpunkt bereisen. Selbstverständlich sind die Geheimdienste im Innern gleichermaßen aktiv wie im Ausland.

Aber dass es in der weltpolitisch tonangebenden Demokratie ohne Wissen des Volkes und der Volksvertreter seit Jahren eine Vorratsdatenspeicherung von Mobilfunkdaten gibt, ist ungeheuerlich. Dass die Geheimdienste dieses Landes ohne gesetzliche Grundlage, ohne Anfangsverdacht und ohne demokratisch legitimierte Kontrolle Kommunikationsdaten sammeln und auswerten, ist atemberaubend.

Die Masse macht's

Ich bin zwar bisher davon ausgegangen, dass Skype-Telefonate abgehört werden können. Aber ich habe nicht geglaubt, dass dies massenweise und vor allem ohne Einzelfallprüfung geschieht. Mein Kalender und meine E-Mails sind nicht bei Google gespeichert, weil ich nicht sicher war, dass nur ich Zugriff darauf habe. Seit ich beabsichtigte in die USA zu ziehen, habe ich mich dabei erwischt, wie ich bei Facebook Selbstzensur übte. Apples iCloud habe ich bis vor zwei Wochen nicht mein Adressbuch anvertraut. Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Daten missbraucht werden könnten. Aber ich konnte nicht davon ausgehen, dass der Zugriff so umfassend, so unmittelbar und so unkontrolliert erfolgt, wie es sich in diesen Tagen abzeichnet. Das überrascht mich.

Haben diejenigen, die jetzt sagen, die Affäre überrasche sie nicht, Facebook, Google, Apple, Skype, Microsoft und Yahoo ihre Daten anvertraut, in der inneren Gewissheit, dass Geheimdienste mitlesen? Dann ist das offenbar ein Preis, den diese Leute bereit sind zu zahlen für kostenlose Soziale Netzwerke, Telefonate und Speicherplätze. Das überrascht mich.

Wer wusste was?

Noch mehr würde es mich überraschen, wenn sich herausstellte, dass die beteiligten Unternehmen tatsächlich wussten, dass sie angezapft werden und mit den Geheimdiensten kooperieren. Ich hätte nicht gedacht, dass ein Unternehmen, das auf das Vertrauen seiner Nutzer angewiesen ist, ein solches Risiko eingehen würde.

Und schließlich bin ich überrascht, wie groß das Risiko für diese Unternehmen tatsächlich war. Dass ein 29-Jähriger, bei allem Respekt für seinen Mut, mit offenbar kaum vorhandener Ausbildung und Erfahrung Zugriff auf Top-Secret-Dokumente und digitale Spionagewerkzeuge hatte, dass er unbemerkt Tausende Dateien kopieren und mitnehmen konnte, ist ein Skandal für sich.

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